Prof. Dr. Werner J. Gartner

Politische Unruhen sind Gift für die Wirtschaft * Privathaushalte geben viel Geld aus

Politische Unruhen sind Gift für die Wirtschaft

Politische Unruhen sind Gift für Volkswirtschaften, zumal wenn sie vor der eignen Haustür ablaufen. Die Europäische Union (EU) will die Verwicklungen der beiden Staaten mit Sanktionen bestrafen. Dabei sind Vergeltungsmaßnahmen zwischen souveränen Ländern immer der letzte Ausweg, wenn die Sprachlosigkeit Einzug gehalten hat. Dabei wäre es an der Zeit gerade auf Russland nochmals einzuwirken die Sache friedlich zu lösen. Bekanntlich erschweren gegenseitige Drohgebärden diplomatische Gespräche. Leidtragender am Schluss ist Europa und besonders Deutschland, da die Unternehmen in den jeweiligen EU-Ländern auch von Russland abhängig sind. Dies insbesondere auch deshalb, da in den letzten Jahren die Energie-sowie Rohstofflieferungen gewaltig nach dem Westen angestiegen sind. Russland ist aber auch genauso abhängig von den Importen aus Europa. Die Ausfuhren von Technologie und Premiumprodukten haben eine gewaltige Höhe erreicht. Außerdem haben sich Firmen, jenseits Moskaus im westlichen Europa angesiedelt. Es stehen somit Wohlstand und Arbeitsplätze in ganz Europa auf dem Spiel. Die russische Bevölkerung ist eher in der Lage auf Wohlstands – Errungenschaften eine Zeitlang zu verzichten, als der Westen. Eine Sperre von Energielieferungen könnte nur eine gewisse Zeit von der westlichen Industrie durchgehalten werden, danach würden Preise steigen und die Arbeitslosigkeit ebenfalls gewaltig in die Höhe schnellen. Die Berliner Regierung sollte jetzt besonnen mit den übrigen Partnern und mit den Kreml – Verantwortlichen reden und sich selbst als Bundesrepublik zurückhalten. Eine Vorreiterrolle in der großen Politik hat Deutschland noch nie gutgetan.

Privathaushalte geben viel Geld aus

Die europäischen Staaten erinnern immer wieder Deutschland bei Verhandlungen daran, den Konsum im eignen Land anzukurbeln. Dabei liegt die deutsche Bevölkerung an der oberen Skala bei den Ausgaben für den privaten Konsum. Im vergangenen Jahr gaben die Privathaushalte mehr als 2.300 Euro für Energie, Wohnen und Instandhaltung aus. Der höchste Anteil liegt mit etwas über einem Drittel im privaten Konsum. Für die Instandhaltungen wurden in dem letzten Jahr mehr als 5 Prozent des Einkommens ausgegeben. Die Bevölkerung in der Bundesrepublik gibt viel Geld für die eigenen vier Wände aus, was wiederum Aufträge für die Handwerker und Industriebetriebe bringt. Die Investitionsvorhaben der privaten Haushalte werden auch in diesem Jahr weiter eine Stütze der Wirtschaft sein. Da die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent noch eine gewisse Zeit halten wird, könnte dies ein kleines zusätzliches Feuer und eine Unterstützung für die Wirtschaftskonjunktur sein. Obwohl sich bei der EZB inzwischen Deflationsängste breit machen, liegt es sich nicht nur an Deutschland, vielmehr sind die Krisenstaaten immer noch nicht in der Lage umfangreiche Investitionen durchzuführen. Deutschland als größte Volkswirtschaft innerhalb der EU hat deshalb auch eine Vorreiterrolle was Ausgaben betrifft. Ein Investitionsprogramm für Europa würde die gemeinsame Konjunktur beflügeln und nachhaltigen Wachstum für den Euroraum bringen. Die EZB könnte deshalb auf der nächsten Sitzung zur Überzeugung kommen, die Zinsen nochmals zu senken. Eine zusätzliche Wirkung wird das sicher nicht mit sich bringen, da die gebeutelten Länder einfach zu wenig Mittel haben um notwendige Investitionen durchzuführen. Die Sparer haben schon seit längerer Zeit die Hoffnung auf eine Zinswende aufgegeben. Sie bekommen für Anlagen einem so geringen Zinsertrag, dass sie inzwischen erkannt haben, besser dieses Geld für Konsum und Luxusartikel auszugeben.

© Global Research Institute – Gartner

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