Prof. Dr. Werner J. Gartner

Frankreich driftet ab * Iberische Halbinsel im Konjunkturaufschwung * Russische Finanzmärkte in Schwierigkeiten

Frankreich driftet ab

Die wirtschaftliche Achse zwischen Deutschland und Frankreich war jahrelang im Gleichgewicht. Die permanenten Versuche, die Deutschen in der Wirtschaftskraft zu überholen, sind jedoch immer wieder gescheitert. Jetzt bahnt sich eine neue Konstellation an. Frankreich driftet in der Staatsverschuldung immer mehr ab. Der drei Prozent Grenzwert des Haushaltsdefizits in der Europäischen Union (EU) ist in weite Ferne gerückt, während Deutschland einen ausgeglichenen Haushalt vorgelegt hat. Dieses Auseinanderdriften der Staatshaushalte bietet einen gewaltigen Sprengstoff in den gegenseitigen Beziehungen der beiden Staaten. Frankreich hat einerseits großes Interesse die strikten Haushaltregelungen, die noch vor Jahren vereinbart wurden aufzuweichen und will sich bis zur Einhaltung der Stabilitätskriterien bis 2015 Zeit geben. Andererseits pocht Frankreich darauf, die Verschuldung Deutschlands zu erhöhen, indem sie mehr Inlandsinvestitionen, wie den Straßenbau vorschlägt. Noch ist Frankreich nicht am oberen Limit wie Griechenland mit über 175 Prozent der Verschuldung angekommen. Aber die Grande Nation hat über 93 Prozent erreicht und ist für die übrigen Euro-Länder nicht vorbildhaft. Der Vorstoß aus dem Elysee Palast, die Euro-Währung auf einem schwachen Niveau zu halten, stößt bei der Berliner Regierung auf taube Ohren. Die Produkte aus Frankreich sind auf dem Weltmarkt zu teuer, teilweise zu unattraktiv und in Bezug auf die Qualität nicht vorzeigbar. Die Fabrikate aus Frankreich müssen wettbewerbsfähiger werden. Die wachsende Steuerlast muss zurückgefahren und der überbordende Staatsapparat, der lähmend auf den französischen Unternehmen liegt, muss entstaubt werden. Die Regierung im Matignon ist für das zaudernde Verhalten bekannt. Es gibt in dieser französischen Regierung zu viele Skeptiker. Frankreich muss als zweitgrößte Industrienation wieder Anschluss an Deutschland und an das übrige Europa finden, damit sie wieder in der oberen Liga mitspielen können.

Iberische Halbinsel im Konjunkturaufschwung

Der Konjunkturaufschwung nimmt in der Eurozone weiter Fahrt auf. Von der iberischen Halbinsel kommen gute Nachrichten. Die Immobilienblase, die Spanien und Portugal fast ruiniert hätten, ist vergessen. Inzwischen drehen sich wieder die Baukräne und die Gewerbeobjekte sind in den Städten wie in Madrid und Barcelona gesucht. Das Angebot ist knapp und die Preise haben sich von den Tiefständen erholt. Für internationale Anleger sind die Immobilien wieder interessant, da auch exzellente Renditen zu erzielen sind. Auch Portugal kehrt zur Normalität zurück, da die ausgegebenen Anleihen schon bei Ausgabe überzeichnet waren. Dies zeigt, dass die Wirtschaft wieder in die Spur kommt und das Haushaltsdefizit leicht zurückgefahren werden kann. Die Zahl der Arbeitslosen konnte gestoppt werden und die Unternehmen stellen wieder Arbeitskräfte ein. Diese Zuversicht könnte sich im Laufe des Jahres zu einem leichten Aufschwung verstärken, was in den EU-Ländern und in Brüssel auf Entspannung stoßen wird.

Russische Finanzmärkte in Schwierigkeiten

Die Unruhen in Russland bringen die Finanzmärkte in gewaltige Schwierigkeiten. Die ausgegebenen Staatsanleihen konnten nicht platziert werden. Die internationalen Märkte haben das Angebot als inakzeptabel abgelehnt. Dies ist ein schwerer Schlag für die Moskauer Regierung. Das Land braucht frisches Geld, das jedoch wegen der politischen Krise nicht beschafft werden kann. Sicher hat der Kreml noch genug Reserven in seinen Geldbunkern, aber wirtschaftspolitisch ist dies eine bittere Niederlage.

© Global Research Institute – Gartner (GRIG)

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