Prof. Dr. Werner J. Gartner

Zwangsmaßnahmen sollen aufgehoben werden * Wirtschaft auf Schrumpfkurs * Eidgenossen kalt erwischt

Zwangsmaßnahmen sollen aufgehoben werden

Seit Monaten wird in Brüssel heiß diskutiert, wie man mit den Sanktionen gegen Russland zunehmend umgehen soll. Nach dem langen Ringen um eine Antwort scheint man eine Lösung gefunden zu haben. Die Zwangsmaßnahmen sollen gelockert beziehungsweise aufgehoben werden. Die Politik und die Unternehmen haben gemerkt, dass man sich mit solchen Beschränkungen gegenseitig schadet. Die Kontakte werden wieder in Hinterzimmern aufgenommen, um weitere Entscheidungen vorzubereiten. Es wird besonders in Berlin überlegt, wie man trotz der militärischen Auseinandersetzungen wieder normale Beziehungen aufnehmen kann. Die gegenseigen Schuldzuweisungen stehen nicht mehr auf der Tagesordnung. Man sucht wieder Gemeinsamkeiten, die in der Vergangenheit für beide Wirtschaftsblöcke außerordentlich dienlich waren. Beide Seiten leiden unter den Sanktionen, insbesondere die europäische, aber speziell die deutsche Wirtschaft, denn sie haben schon jetzt erheblichen Schaden hinnehmen müssen. Einige Unternehmen, die einen Großteil ihrer Waren nach Russland exportieren, haben gewaltige Schwierigkeiten, da sie von Kurzarbeit bedroht sind. Die Ausladungen zu den Wirtschaftsgipfeln gehören somit der Vergangenheit an. Russland kehrt wieder an den Verhandlungstisch zurück. Es scheint, dass der Westen die Mauer der Sprachlosigkeit überwunden hat, zum Wohl der Bevölkerung. Die Politiker haben bei dieser Auseinandersetzung gelernt, dass Sanktionen Gift für die Wirtschaft sind und deshalb sollen die auferlegten Handelsbeschränkungen in relativ kurzer Zeit aufgehoben werden. Ein kleines Hintertürchen will der Westen sich noch offen halten. Sollten sich die militärischen Auseinandersetzungen mit der Ukraine erneut verschärfen, dann müsste man die Daumenschraube nochmals anziehen. Brüssel will sich somit weiter als Oberschiedsrichter aufspielen.

Wirtschaft auf Schrumpfkurs

Die Wirtschaft ist derzeit auf Schrumpfkurs. Schuld sind vor allem die eingeläuteten Sanktionen gegen Russland. Ein Land, das seit Jahren ein verlässlicher Geschäftspartner der Wirtschaft ist, wurde von den Politikern aus dem Westen vorgeführt. Aber nicht nur die Produkte aus Made in Germany nehmen Schaden, sondern auch die übrigen Krisenländer wie Spanien und Griechenland hatten im Sommer weniger Touristen aus Moskau und Petersburg zu vermelden. Gerade diese Staaten hatten mit einer weiteren Erholung der Wirtschaft und besonders der Arbeitslosigkeit gerechnet. Auch Länder wie Italien und Polen können ihre Agrarprodukte nicht nach Russland exportieren. Sie sitzen auf ihren Landwirtschaftsernten, die in diesem Jahr üppig waren, und müssen sie jetzt zu Schleuderpreisen verkaufen. Aber auch die russische Bevölkerung leidet unter den Zwangsmaßnahmen. Besonders die junge Mittelschicht, die sich an westliche Produkte gewöhnt hat, schmerzen die westlichen Exportbeschränkungen. Es ist daher dringend nötig, dass sich die Politiker wieder an den Tisch setzen und die Befindlichkeiten beiseitelegen, um wieder zur Normalsituation zurückzukehren.

Eidgenossen kalt erwischt

Die Schweiz hat bisher im Sog der Europäischen Union (EU) sehr profitabel von den Exporten gelebt. Jetzt hat es auch die Eidgenossen kalt erwischt. Sie sind genauso gefangen wie das übrige Europa und müssen sich an die Exportbeschränkungen nach Russland halten. Noch sind die Auftragsbücher gut gefüllt, aber es fehlen den Firmen die Anschlussaufträge. Die Auspizien für das Jahr 2015 werden daher nicht mehr so optimistisch gesehen.

© Global Research Institute – Gartner (GRIG)

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