Prof. Dr. Werner J. Gartner

Eurowährung zeigt Schwächen * Deutschland mit neuem Ausfuhrrekord * Russland hat sich verzockt

Eurowährung zeigt Schwächen

Unternehmer haben in der Vergangenheit häufig über den starken Euro lamentiert, da sie Aufträge aus Asien oder den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) durch die mächtige Valuta verloren haben. Die jüngste Entwicklung auf dem Devisenmarkt zeigt jedoch, dass die Eurowährung Schwächen offenbart. Dies ist jedoch nicht auf die Erstarkung der außereuropäischen Wirtschaft zurückzuführen, sondern auf die Senkung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank (EZB). Somit fließt anlageträchtiges Geld nicht mehr zunehmend nach Europa, sondern nach USA. Das Rekordtief der Zinsen ist somit ein Verfall des Euros und deshalb für die exportierende Wirtschaft sehr willkommen. Unternehmen, die in Euro fakturieren, können jetzt verstärkt sich um die Auslandsmärkte kümmern. Gerade für die Krisenländer in Europa kann dies ein erneuter Schub für ihre geschundene Wirtschaft und die Mitarbeiter sein. Die verarbeitende Industrie sieht die Schwäche des Euro auch mit einem weinenden Auge, da Rohstoffe weltweit in der US-Währung gehandelt werden. Dadurch verteuern sich zunächst die zu verarbeitenden Rohmaterialien, die schließlich in die Gesamtproduktion mit einfließen und können nur zum Teil den gefallenen Eurokurs ausgleichen. Unternehmen sind verstärkt gezwungen Rationalisierungsmaßnahmen durchzuführen, um eventuelle Defizite auszugleichen.

Deutschland mit neuem Ausfuhrrekord

Die Krisen in Europa scheinen den deutschen Unternehmen nichts anzuhaben. Das erste Halbjahr fing mit einem Ausfuhrrekord an. So konnten zum ersten Mal in einem Monat über 100 Milliarden Euro an Waren sowohl nach Europa und das übrige Ausland exportiert werden. Der Hunger nach Waren aus Made in Germany ist ungestillt, vor allem die Premium-Hersteller von Automobilen konnten fulminant zulegen. Aber auch die Maschinen und Ausrüstungsgüterindustrie lieferten einen beträchtlichen Anteil von fast 15 Prozent dazu. Die Politiker in Berlin stapeln derweil tiefer, denn bei dem nächsten Gipfeltreffen, könnten die Krisenländer wegen der Erfolge neue Begehrlichkeiten auf die Tagesordnung setzen. Trotz der hohen Löhne, der hervorragend ausgebildeten Facharbeiter und Ingenieure sind die Aussichten für die kommenden Monate recht positiv. Auch die Mitarbeiter stehen zu ihren Unternehmen, denn sie arbeiten nicht nur in der Regelzeit, sondern machen auch erhebliche Mehrarbeit, davon allein im vergangenen Jahr von fast zwei Milliarden Überstunden. Es ist daher zu hoffen, dass keine größeren Turbulenzen und Schwelbrände in Russland auftreten, welche die Bilanzen der Unternehmen zum Jahresende noch verhageln könnten.

Russland hat sich verzockt

Die gegenseitigen Sanktionen zwischen Russland und Europa zeigen zunehmend ihre Wirkung. In Brüssel geht man davon aus, dass sich der russische Bär mit seinen Zwangsmaßnahmen gegen Europa verzockt hat. An den Finanzmärkten fehlt die Liquidität und die russische Währung, der Rubel fällt ins Uferlose. Außerdem sind Auslandskonten für die Elite nicht mehr erreichbar und sie können teilweise keine Gelder mehr abheben. Dies könnte ein massiver Sprengstoff für den Kreml sein, da Vermögen durch die Europäische Union (EU) und USA eingefroren sind. In diesem Vorgehen könnte China der lachende Dritte sein. Das Riesenreich wäre in der Lage die Defizite auszugleichen und Kredite zur Verfügung zu stellen, um somit die Wirtschaft etwas in Bewegung zu halten. Auch Waren könnten ebenfalls geliefert werden, wenn auch die Zahlung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt. Der Großteil der russischen Bevölkerung ist jedoch gewohnt, einfach und spartanisch zu leben.

© Global Research Institute – Gartner (GRIG)

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