Prof. Dr. Werner J. Gartner

Schweizer Nationalbank mit Verlust * Neues Geld nur für Investitionen

Schweizer Nationalbank mit Verlust

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat am 15. Januar diesen Jahres den Euromindestkurs von 1,20 Franken zum Euro aufgegeben und der Währung sowie den Börsenmaklern freien Lauf gelassen. Die SNB hat nach drei Monaten eine verheerende Bilanz vorgelegt. Die Aufwertung hat die Berner Nationalbank mehr als 30 Milliarden Franken an Währungsverlusten gekostet. Der überraschende Schritt der SNB war für die Wirtschaft aber auch für die breite Bevölkerung eine mittlere Katastrophe. Der Franken wurde durch die Operation gegenüber anderen Währungen um 10 Prozent aufgewertet. Für die exportorientierte Industrie aber auch für die Touristikbranche ist dies ein herber Rückschlag. Die Stärke der schweizerischen Währung hat darauf viele Touristen abgehalten ihre Ferien in den Alpen zu verbringen. Die Hoteliers haben mit Maßnahmen, wie die Währungsparität beizubehalten, Gratisübernachtungen, Schadensbegrenzung durchgeführt und sich gegen den Umsatzeinbruch gestemmt. Nach der Wintersaison leckt sich die Branche die Wunden und muss eingestehen, dass die Währungsturbulenz ihre Bilanzen enorm lädiert hat. Aber auch die Unternehmen, die vornehmlich ins Euroland exportieren, mussten gewaltige Einschnitte hinnehmen. Die helvetische Industrie ist bekannt für die Herstellung von hochpräzisen Erzeugnissen, die in der globalen Welt hohe Anerkennung finden. Mischkalkulationen konnten in der Vergangenheit der Branche helfen, eventuelle Defizite auszugleichen. Für manche Unternehmen wird es zunehmend schwieriger die Rechnung aufrecht zu halten. Die Schweiz ist erfahrungsgemäß ein wichtiger Zulieferer der Automobilindustrie, die mit engen Margen kämpft und somit keine Preiserhöhungen zulässt. In den vergangenen Monaten wirkte der Franken wie eine Umsatzbremse, denn die Ausfuhren gingen um vier Prozent zurück. Es ist zu hoffen, dass es nicht weiter zu schwerwiegenden Verwerfungen am Arbeitsmarkt kommt. Teilweise haben Unternehmen die Kurzarbeit eingeführt oder mussten zu dem Mittel von Entlassungen bei den Mitarbeitern greifen. Der Lagerabbau und die Rationalisierungen sollen den Abschwung abschwächen. Die letzten Monate waren für die exportorientierte Industrie in Europa wie ein warmer Regen. Sie profitieren von der Stärke des Franken und konnten Waren nach der Schweiz liefern, da die Abnehmer die Produkte bis zu zehn Prozent günstiger erwerben konnten. Für die Euroländer ist es nicht von Interesse, dass es eine starke Nachbarwährung gibt, denn sie wollen, dass auch die Schweiz von einem ausgeglichenen Warenaustausch profitiert. Große Hoffnung setzt die Schweiz auf Deutschland, da die größte Volkswirtschaft innerhalb Europas die Wirtschaftslokomotive zieht und die Eidgenossen wollen sich an diese Erfolgsstory anhängen.

Neues Geld nur für Investitionen

Die griechische Regierung hat konstatiert, dass das Land schon 2010 insolvent war. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber zu diesem Zeitpunkt kochte in Europa die Finanzkrise und die anderen Krisenländer wie Portugal, Spanien und Irland standen vor demselben Dilemma. Die Brüsseler Politiker sowie die Europäische Zentralbank (EZB) mussten an allen Ecken die Brände löschen. Profitiert hat davon besonders die Bankenlandschaft, sie wurden mit dem Geld aus Brüssel saniert, da man davon ausging, falls diese kollabieren, gerät das ganze Währungssystem nicht nur Europas sondern weltweit ins Wanken. Nach dieser bitteren Erkenntnis darf neues Geld nur noch für Investitionen und Arbeitsplätze an die Krisenländer vergeben werden und nicht mehr zur Rettung der Banken.

© Global Research Institute – Gartner (GRIG)

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