Prof. Dr. Werner J. Gartner

Ölpreis könnte auf 55 US Dollar fallen * Großbritannien will den EU-Austritt

Ölpreis könnte auf 55 US Dollar fallen

Der Ölpreis ist derzeit im freien Fall. Die Verbraucher sind daher über diesen Zustand besonders erfreut, da ihr Portemonnaie geschont wird. Vor einem Jahr war der Preis für ein Barrel noch bei 100 US-Dollar (Dollar) inzwischen liegt er 70 Dollar und er könnte noch weiter auf ein Niveau von 55 Dollar fallen. Der Preisverfall hat viele Gründe. So ist das Wirtschaftswachstum in den Industrieländern rückläufig und die Firmen benötigen für die Produktion weniger Energie. Aber auch die Russland-Krise befeuert zusätzlich die Preisspirale nach unten. Wohlhabende Russen üben sich beim Kauf von westlichen Produkten in Zurückhaltung. Dies führt auch zum Nachlassen des Wachstums und zum Zurückfahren der Konjunktur. China hat ebenfalls Wachstumsprobleme und kann seine Produkte nicht in der gewohnten Weise auf dem Weltmarkt absetzen. Die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) haben eigene Ölquellen durch das Fracking geschaffen. Sie ermöglichen die Waren bei der Produktion zu geringeren Energiekosten herzustellen, was sich im Verkaufspreis niederschlägt. Der größte Lieferant innerhalb der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) Saudi Arabien, will jedoch die Förderung von Rohöl nicht zurückschrauben, um den Preis stabil zu halten. Der Ölstaat benötigt dringend die Einnahmen, um den Staatshaushalt auszugleichen. Über Jahre sind die Begehrlichkeiten der Menschen gewachsen und zwingen das Königreich zu Sparmaßnahmen. Den verschwenderischen Luxusausgaben des Hofes wird zunehmend Einhalt geboten. Für einen ausgeglichenen Etat wird ein Ölpreis von 106 Dollar benötigt. Andere Staaten wie Kuwait, die ihr Öl-Geld in westliche Firmen investiert haben, können mit einem Preis von 54 Dollar auskommen. Einige Mitglieder der OPEC neigen dazu, das zu viel geförderte Öl vom Markt zu nehmen, damit der Preis sich weiter erhöht. Für dieses Vorhaben besteht jedoch wenig Aussicht, da die anderen Förderländer an den Einnahmen interessiert sind, damit ihre Etats nicht in Schieflage geraten.

Großbritannien will den EU-Austritt

Die Regierung in Großbritannien spielt weiter mit dem Feuer. Downing-Street will aus der Europäischen Union (EU) austreten, um einigen Wählern und dem rechten Lager nach dem Mund zu reden. Der Abschied könnte jedoch für die britische Wirtschaft ein tragisches Ende nehmen. Die Volkswirtschaft auf der Insel hat sich über die Jahre optimal in Europa eingefügt, ebenso das Festland, das von den Exporten erheblich profitiert hat. Bei einem Ausscheiden stehen jedoch erhebliche Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die Londoner City ist vor allem die Finanzzentrale Europas, in der große Investments zusammenfügt und zum Abschluss gebracht werden. In Zukunft könnte sich das Zentrum nach Frankfurt und Luxemburg verlagern mit dem Verlust von Fachkräften, die für solche Geldgeschäfte hervorragend ausgebildet sind. Auch die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) könnten davon profitieren. Die Wall Street hat ebenfalls Interesse an künftigen ertragreichen Geschäften und könnte somit den Niedergang der City beschleunigen. Außerdem werden die Automobilhersteller überlegen, ob sie weiter Personenwagen und Ersatzteile in England fabrizieren wollen, denn eine zusätzliche Einfuhrimportsteuer würde das Lohngefälle mehr als belasten. Auf der Insel arbeiten über 450.000 Mitarbeiter in Autofabriken, die somit auf der Straße stehen würden. Für eine souveräne Regierung ist es kein brauchbares Zeichen, wenn permanent Drohungen über das Ausscheiden des eigenen Landes aus der EU ausgeplaudert werden. Den Schaden hätten dann vor allem die Menschen auf der Insel, die um ihren hart erarbeiteten Wohlstand bangen müssen.

© Global Research Institute – Gartner (GRIG)

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