Prof. Dr. Werner J. Gartner

Berlin soll den Dialog mit Russland aufrechterhalten * Reformen nicht weit in Frankreich und Italien * Rezession der deutschen Industrie

Berlin soll den Dialog mit Russland aufrechterhalten

Der russische Bär zeigt weiter seine Krallen. Westliche Politiker glaubten den Kreml von ihren Vorstellungen zu überzeugen. Aber Russland hält an seinen Ansichten zum Leidwesen fest. Inzwischen ist jedoch auch in der breiten Bevölkerung Ernüchterung eingekehrt, da die Vorräte knapp werden. Der Sozialismus ist wieder eingezogen und die Menschen kranken am Ural unter den Sanktionen des Westens. Der bisherige Schaden für beide Seiten ist schon immens.  Insbesondere Russland leidet unter dem Zerfall der Rubel–Währung, dazu kommt noch die Talfahrt des Ölpreises. Diese Devisen-Einnahmequelle sprudelt nicht mehr so kraftvoll wie in der Vergangenheit. Die russischen Politiker sehen in den Sanktionen auch etwas Positives. Da keine westlichen Produkte, wie Maschinen und Werkzeuge eingeführt werden dürfen, will man in Zukunft sich nicht nur auf den Export von Öl und Gas verlassen, sondern selbst Maschinen herstellen. Es wäre doch zu blauäugig zu glauben, dass hochtechnologische Waren innerhalb kurzer Zeit herzustellen sind. Trotz aller politischer Niederlagen muss der Dialog nicht abgebrochen, sondern aufrecht erhalten werden. Politiker sollten nicht vergessen, dass Russland zu den größten Weltmächten gehört und der Umgang sollte bei aller politischer Verschiedenheit weiter aufrecht erhalten bleiben. Berlin hat die Möglichkeit, ohne aus dem europäischen Gleichgewicht auszuscheren, diese Konversationen zu führen und die europäischen Werte wieder ins Gespräch zu bringen. Auch sollte der Versuch unternommen werden Reformen auf den Weg zu bringen, damit Russland wieder Teil der europäischen Gemeinschaft werden kann und nicht wie ein Außenseiter behandelt wird. Es ist zu hoffen, dass die gegenseitigen Sanktionen nicht so lange andauern, wie bis zum nächsten Gipfeltreffen der G-20–Staaten, in Paris nächsten Jahres.

Reformen nicht weit in Frankreich und Italien

Mit der Konjunktur in Europa ist es nicht zum Besten bestellt. Trotz aller Bemühungen der Regierungen geht die Talfahrt weiter. Die notwendigen Reformen in Frankreich und Italien sind nicht sehr weit gekommen. Insbesondere die Verkrustung der Bürokratie und der Arbeitsbedingungen sind nach wie vor ein Teil des Problems für das Nullwachstum. Beide Regierungen haben vollmundig versprochen diese Probleme zügig anzugehen. Bisher ging vor allem der Elysée Palast davon aus, dass Deutschland Milliarden an Investitionen vornehmen sollte, damit auch Frankreich davon profitieren könnte. Berlin wird im kommenden Jahr einige größere Milliarden Projekte umsetzen, von der aber zum größten Teil die einheimische Wirtschaft profitieren wird.

Rezession der deutschen Industrie

In Deutschland wird das Wachstum des gesamten Jahres ebenfalls nicht die gewünschte Zielmarke von zwei Prozent erreichen. Das Gespenst einer Rezession schwebt über der deutschen Industrie, die in der Vergangenheit von größeren Wachstumsschüben sehr verwöhnt war. Durch die Unruhen in Russland und der Ukraine sind die Exporte für die Automobilindustrie erheblich eingebrochen. Auch die Güterausrüstungsindustrie klagt über Anschlussaufträge, insbesondere der asiatische Markt leidet unter dem Wirtschafts-Wachstum. China, in der Vergangenheit ein Wachstums-Treiber für die Produkte aus Made in Germany, hat erhebliche Schwierigkeiten für den Absatz seiner eigenen Produkte. Daher wurden auch einige Aufträge zurückgestellt bis wieder mehr Licht am Horizont zu sehen ist. In der Pekinger Regierung wird derzeit wieder durchgerechnet, ob man Auto-Importe mit Zöllen belegen sollte oder auch mit höheren Emission–Auflagen.

© Global Research Institute – Gartner (GRIG)

1 reply
  1. Klaus
    Klaus says:

    Die EU müsste jetzt Wege zum Umgang mit den Ereignissen finden und sollte dabei konkrete Wege aufzeigen, wie Russland aus der Isolation wieder zurück an einen Verhandlungstisch kommen kann, ohne sein Gesicht zu verlieren. Dabei ist die Anwendung vereinbarter Regelungen aus der Vergangenheit die eigentliche Basis und es sollte damit begonnen werden die unterschiedlichen Ansichten einmal auszudrücken und mit Regularien zu untermauern, damit ein echter Dialog wieder zielführend Richtung Entschärfung stattfinden kann.

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