Prof. Dr. Werner J. Gartner

Griechenland-Austritt kein Schock * Positive Anzeichen des Wachstums

Griechenland-Austritt kein Schock

Die Vorstellung Griechenland aus der Eurozone zu komplementieren ist nicht machbar. Die Griechen können nur selbst durch die Mehrheit im Parlament aus der Eurozone aussteigen und wieder zur Drachme zurückkehren. Es erscheint zweifelhaft, ob dies die Regierung nach dem 25. Januar 2015 will. Politiker haben immer gezeigt, dass nach den Wahlen manches Vorhaben doch anders aussieht. Hellas hat in der Vergangenheit wohlhabend von der Europäischen Union (EU) gelebt, denn sie haben über 162 Milliarden Euro nach Athen überwiesen. Die nächste zur Auszahlung anstehende Rate wurde jedoch bis nach den Parlamentswahlen zurückbehalten. Mit dieser Maßnahme soll den Griechen erklärt werden, dass sie auf weitere Zahlungen nicht hoffen können, wenn sie die Vorgaben der Troika bestehend aus EU-Kommission, Internationaler Währungsfonds (IWF) und Europäische Zentralbank (EZB) nicht fortsetzen. Sie müssen weiter die Anstrengungen von Griechenland einfordern und die schwierigen Anpassungen betreiben. Dazu gehören den Reformstau auflösen und die weitere Gesundung des Staatshaushalts durch Einsparungen. Ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone würde die wichtigsten Partner der EU nicht sonderlich schocken, was eine Form von Eskapismus wäre. Diesmal ist die EU auf die Situation – auf eine griechische Tragödie – besser vorbereitet als in der Vergangenheit. Damals, im Jahr 2012, musste Brüssel unter gewaltigem Druck der Regierung unter der Akropolis in allen Belangen nachgeben. Die EU musste alle Anstrengungen ergreifen und die geforderten Beträge an Athen zahlen, um einen Kollaps des Euros zu verhindern.

Positive Anzeichen des Wachstums

Die Wahl am 25. Januar 2015 ist somit zum Scheideweg für die Wähler in Griechenland geworden. In den vergangenen Monaten sind die eingeläuteten Sparmaßnahmen durch die Troika sichtbar geworden. Sie haben es jetzt selbst in der Hand, ob sie weiter mit dem Euro oder doch mit der Drachme leben wollen. Bei einem Ausscheiden würde ein Bankenrun unvermeidlich und eine Plünderung der Konten sein. Die Börsen würden in Athen abstürzen und das Land in ein Chaos versinken. Der Euro würde dann sowieso weiterleben in Hellas, denn er würde zur Zweitwährung von der Bevölkerung als sicherer Geldhort behalten werden. Ein Ausscheiden würde auch die anderen Länder in der EU wieder zusammenschweißen, sie wissen um ihr Schicksal, dass unsolide Haushalte nicht länger akzeptiert werden können. In den kommenden Jahren sind Sparen und Investieren die Maxime. Die Sparmaßnahmen dürfen aber für die Krisenländer nicht zur Strangulierung führen. Griechenland und die anderen angeschlagenen Staaten müssen noch in der Lage sein ihren Staatsverpflichtungen nachzukommen. Falls zu hohe Forderungen aufgestellt werden, die zu rigiden Sparzwängen führen, würde dies nur politisch rechtsextreme Gruppierungen stärken. Ein Überschwappen könnte dann zu einem Flächenbrand für die gesamte Eurozone werden, dies wäre eine verheerende Entwicklung für die Zukunft Europas. Die Sorgenkinder Spanien, Portugal und Irland sind in den vergangenen zwölf Monaten wirtschaftlich sehr gut vorangekommen, sie können marginale, positive Wachstumszeichen vorweisen. Der verkrustete Staatsapparat konnte aufgebrochen werden, die Steuereinnahmen werden stärker kontrolliert und bei Vergehen erheblich sanktioniert. Allein diese Maßnahmen zeigen der Bevölkerung, dass der Staat es mit den Steuer-Verweigerern ernst meint. Zudem werden wieder kleine Unternehmen angesiedelt, damit die verheerende Arbeitslosigkeit besonders unter den Jugendlichen eingedämmt wird.

© Global Research Institute – Gartner (GRIG)

 

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