Grande Nation vor der Zerreißprobe * Frankreich ist der Patient Europas * Matignon muss die Probleme jetzt anpacken
Grande Nation vor der Zerreißprobe
Frankreich erlebt derzeit die schrecklichsten Stunden, wie kein anderes europäisches Land zuvor. Die entsetzlichen Vorkommnisse in Paris trifft das Land in der diffizilsten Verunsicherung. Seit 1945 ist es nicht mehr so dunkel geworden, wie in diesen Tagen. Die Grande Nation steht vor einer großen Zerreißprobe, da sie in ihrem demokratischen Herz getroffen wurde. Das Problem liegt aber viel tiefer und ist zum großen Teil in der wirtschaftlichen Unzufriedenheit der Bürger begründet. Seit Jahren halten die vergangenen konservativen Regierungen im Elysee Palast sich einen Spiegel vor und betrachten ihr narzisstisches Gehabe einer Weltmacht. Dabei sind die ökonomischen Zahlen eine mittlere Katastrophe. Die Republik Frankreichs muss erkennen, dass sie wirtschaftlich und politisch gesehen nicht mehr der Nabel der Welt ist.
Frankreich ist der Patient Europas
Die Arbeitslosigkeit und besonders die Jungendarbeitslosigkeit, der Nährboden, aus dem sich solche Gruppierungen bilden, sind auf ein Rekordniveau von über 3,5 Millionen angewachsen. Das duale Bildungssystem sollte schon vor acht Jahren nach deutschem Vorbild eingeführt werden. Dieses ausgereifte Arbeitspapier liegt weiter in der Schublade im Matignon. Der Staatshaushalt krankt weiterhin und ist auch im zurückliegenden Jahr Anlass zu heftiger Kritik, da die Brüsseler Verschuldungs-Kriterien von drei Prozent wieder gerissen wurden. Die derzeitige sozialistische Regierung hat mit den Steuererhöhungen die Deindustrialisierung zusätzlich befeuert. Große Unternehmen haben ihren Steuersitz von Paris nach Brüssel oder Genf verlegt, was ein Aderlass von Steuereinnahmen ist. Frankreich ist somit zum Patienten Europas geworden. Es wäre zu einfach, dies der derzeitigen Regierung alles in die Schuhe zu schieben, denn die Ursachen liegen weit zurück. Die Integration von Ausländern kann nicht als Erfolg verbucht werden. Viele von ihnen glaubten, dass sie nach der Schule auch einen Job fänden, aber leider wurden ihnen oft schon der Name und die Wohnadresse zum Verhängnis. Solche Absagen nach einer Ausbildung oder Anstellung fördern gerade nicht ein Wohlbefinden in einem Land, sondern provozieren Argwohn und Ablehnung. Menschen ausländischer Herkunft haben in der Republik Frankreichs nicht die gleichen Chancen, obwohl von allen Politikern immer wieder das Gleichheitsprinzip hoch gehalten und gepredigt wird. Chancengleichheit gibt es nur auf dem Papier, aber die Wirklichkeit, so kommt es dieser Tage ans Licht, gibt es nicht. Auch andere europäische Länder haben hier Nachholbedarf, wenn sie die europäische Identität hoch halten wollen.
Matignon muss die Probleme jetzt anpacken
Der Matignon ist deshalb aufgefordert, die auf der Hand liegenden Probleme ernsthaft anzupacken und nicht, wie in der Vergangenheit, zu verschieben. Das kränkelnde Land muss nach diesen Tagen wieder zusammenstehen und an seine Identität glauben. Die innovativen Kräfte der Unternehmen und besonders der ausgelaugte Mittelstand als Jobmaschine muss erneuert werden. Dazu gehört: runter mit den aufgeblasenen Steuern, Aufbrechen der Verkrustungen in den überdimensionalen Verwaltungen, sowie Einführung des dualen Bildungssystems. Um ein Unternehmen zu gründen, muss in Frankreich das dreifache Verwaltungs-Papier aufgewendet werden, wie zum Beispiel in Deutschland. Solche Investitionsbremsen lähmen nicht nur die Unternehmen, sondern auch Teile der Bevölkerung, weil nichts voran geht. Diese unhaltbaren Zustände müssen ohne weitere Verzögerungen zum Wohl der geschundenen Menschen aufgelöst werden.
© Global Research Institute – Gartner (GRIG)



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