Prof. Dr. Werner J. Gartner

Deutsche Wirtschaft erneut gewachsen * Kein Boom bei Kreditvergabe * Starke Binnenkonjunktur in der Schweiz

Deutsche Wirtschaft erneut gewachsen

Die deutsche Wirtschaft hat weiter den Fuß auf dem Gaspedal. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres ist die Wirtschaft erneut gewachsen. Die Industriefertigung einer der wichtigsten Domänen der deutschen Wirtschaft ist über 3,5 Prozent angestiegen. Die Kapazitäten sind mehr als gut ausgelastet und liegen weiter über dem Durchschnitt. Durch die angestiegenen privaten Investitionen stieg die Inlandsnachfrage erheblich mit. Aber auch die Ersatzinvestitionen, die jahrelang auf die lange Bank geschoben wurden, werden jetzt zunehmend von den Unternehmen getätigt. Die deutsche Automobilindustrie, das Flaggschiff deutscher Wertarbeit, konnte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres erneut gigantische Zahlen vorlegen. So wuchs die Produktion gegenüber dem Vorjahr auf über sieben Prozent an. Dieser erneute Anstieg resultiert auf der Nachfrage von den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) sowie dem asiatischen Markt. Da die Nachfrage nach Russland erneut zurückging, konnte das dem Wachstum erfreulicherweise nichts anhaben. Die Premiumhersteller denken aufgrund der starken Nachfrage im Ausland jetzt über Sonderschichten nach. Die Nachfrage nach PKW der Oberklasse stagniert in Deutschland jedoch weiterhin. Der starke Euro wird von vielen Europäern gescholten, aber dadurch verringern sich die Zahlungen von Gas und Öl aus dem Ausland sowie die Rohstoffe, die zur Weiterverarbeitung benötigt werden. Von dem Industriestandort Deutschland und der großen Nachfrage profitiert auch Europa. Die Erholung in den krisengeschüttelten Ländern zeigt Wirkung, da auch sie die Exporte ankurbeln. Die Europäische Union (EU) hält immer wieder Deutschland vor, dass sie durch die gewaltigen Exporte die anderen Länder schwächen würden, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Die verarbeitende Industrie bezieht einen Großteil an Rohstoffen aus Europa und dem übrigen Ausland. Durch die erheblichen Importe profitieren daher auch die schwächeren Länder von Deutschland.

Kein Boom bei Kreditvergabe

Trotz der niedrigen Zinsen, die sich nach der Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf einem Rekordtief von 0,15 Prozent befinden, erleben die Banken keinen Boom in der Kreditvergabe. Die Unternehmen konnten sich in den vergangenen Jahren aufgrund der guten Konjunktur ausgezeichnete Polster zulegen und benötigen daher nur in geringem Umfang Kredite. Viele Unternehmen haben sich von den Banken unabhängiger gemacht, indem sie Firmenanleihen ausgegeben haben. Von dieser Form der Finanzierung haben auch die mittelständischen Unternehmen erheblich profitiert. Die Sparer halten weiterhin trotz der niedrigen Zinsen an ihrem geliebten Sparbuch fest, da die Alternative von steigenden Aktienkursen eher eine negative Wirkung auf die Anleger haben.

Starke Binnenkonjunktur in der Schweiz

Trotz des starken Schweizer Franken liegt die Wirtschaft weiter auf Erfolgskurs. Die Außenhandelsumsätze steigen wieder mit Unterstützung der guten Binnenkonjunktur an. Der stark anhaltende Konsum war in der Vergangenheit die Stütze der schwachen Wirtschaft. Das Land inmitten Europas profitiert von der EU als Abnehmer ihrer ausgezeichneten Premium-Produkte. Sie exportieren über 50 Prozent der Produktion ins Ausland, daher ist der freie Zugang zu den Auslandsmärkten verstärkt eine Überlebensfrage. Zum Verdruss vieler helvetischer Politiker sitzen sie in Brüssel bei den Verordnungen und Beschlüssen am Katzentisch, übernehmen aber zunehmend die Bestimmungen der EU, um wirtschaftlich von Europa nicht abgehängt zu werden.

© Global Research Institute – Gartner (GRIG)

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